• Blick auf den Rhein am Binger Loch © VSG

  • Vor dem Eintritt ins enge Rheintal am Binger Loch: Früher wurde es hinter dem Mäuseturm gefährlich © Stadt Bingen am Rhein

Binger Loch? Der Name leitet sich von Sprengungen einer Öffnung in die Felsbarriere her, die die einst schwierigste Engstelle im Mittelrheintal schiffbar machte. Vorher war die Stelle nur mit Bitten und Beten passierbar: Ein quer verlaufendes Riff lag im Weg. Starke Strömungen lehrten das Fürchten: Noch 1831 ging das Handelsschiff „Stadt Mainz“ an der Mäuseturm-Insel unter. Das großartige, inzwischen gezähmte Naturschauspiel der durchs Gefälle brausenden Wasser, die dem gewaltigen Rhein-Haken folgen, faszinierte Scharen von Künstlern und Clemens Brentano. In seinen „Rheinmärchen“ versetzte Brentano keinen geringeren als ‚Vater Rhein’ in die Tiefen des Binger Lochs. Der hauste romantisch in einem gläsernen Palast – regenbogenfarbig beleuchtet von zahllosen flimmernden Fischschuppen.

Referenzen:

Rheinmärchen
Clemens Brentano

Christian Georg Schütz, der Vetter, Vue de Bingen avec la Tour aux Souris et le Frou de Bingen, 1811, Aquatinta

Das Binger Loch mit seinen Stromschnellen war schon lange ein Motiv der Kunst. Mit dem anbrechenden 19. Jahrhundert jedoch änderte sich der Blick nicht nur auf diesen Abschnitt des Rheins. Eine Mittelalterbegeisterung und die Worte des Romantik-Vordenkers Friedrich Schlegel von „kühnen Burgen auf hohen Felsen“ verknüpfte jetzt Ruinen, vergangene „Heldenzeiten“ und die Natur zu neuen Bildaussagen.

In der Graphik mit der Binger Loch-Ansicht nach einer Vorlage des Frankfurter Malers Christian Georg Schütz dem Vetter von 1811 überwiegt Dramatik vor lieblicher Anmut. Erstmals ist hier eine romantische Ruine inszeniert: In luftiger Höhe platziert, tragen die Reste der Ehrenfels eine Stimmung von Erhabenheit ins Bild.

© Museum am Strom, Bingen

Christian Georg Schütz, 'der Vetter'