• Die Veste Otzberg angrenzend an den Ortsteil Otzberg-Hering © Daniela Schreiter, VSG

  • Carl Philipp Fohr, Ansicht der Feste Otzberg, um 1815, Aquarell auf Papier © Hessisches Landesmuseum Darmstadt

  • Blick vom Bergfried mit Palas und Korporalhaus © Daniela Schreiter, VSG

Damals auf dem Balkon eines Gutshauses in Lengfeld beim Otzberg blieb die Liebeserklärung aus und maßlose Enttäuschung zurück. Dabei waren sich die 19jährige Karoline von Günderrode und der ein Jahr ältere Friedrich Carl von Savigny bei einem Ausflug zur Veste schon näher gekommen. Doch der Kuss vom Frühsommer 1799 führte die beiden nicht als Paar zusammen. Ein paar Jahre später wird das Frankfurter Stiftsfräulein ein Sonett mit der Zeile „Es hat ein Kuß mir Leben eingehaucht“ in ihrem ersten Lyrikband „Gedichte und Phantasien“ (1804) aufnehmen. Es entsagt dem irdischen Glück. Zu diesem Zeitpunkt hatte sich der ehrgeizige, zur Berühmtheit bestimmte Rechtsgelehrte für eine andere Lebenspartnerin entschieden. Die Verse gingen ihm vor der Vermählung als Geschenk noch zu. Liebe war für „das Günderrödchen“ im Anblick Savignys, der sein Gefühlsleben für die Wissenschaft vernachlässigte, und dann des ebenso unerreichbaren Mythenforschers Friedrich Creuzer, wie lebendiger Tod. Ihre Leidenschaft, die sie Savigny verbarg, hatte sie der Freundin Karoline von Barkhaus brieflich eröffnet. „Zürnen möchte ich mit mir selbst, daß sich mein Herz so schnell an einen Mann hingab …“ In deren Elternhaus in Lengfeld am Rand des Odenwaldes waren sie und „Savingne“ sich begegnet. Als Objekt heftiger Liebe blieb er Phantasie. Trotz übermächtigen Drucks raffte sich die Günderrode zu Freundschaft auf.

Referenzen:

Karoline von Günderrode
Friedrich Carl von Savigny

Lageplan der Veste Otzberg

Karoline von Günderrodes „Der Kuss im Traume“ aus dem unter Pseudonym veröffentlichten Lyrikband „Gedichte und Phantasien“ (1804):

Es hat ein Kuß mir Leben eingehaucht,
Gestillet meines Busens tiefstes Schmachten.
Komm, Dunkelheit! Mich traulich zu umnachten
Daß neue Wonne meine Lippe saugt.

In Träume war solch Leben eingehaucht.
Drum leb ich, ewig Träume zu betrachten,
Kann aller andern Freuden Glanz verachten
Weil nur die Nacht so süßen Balsam haucht.

Der Tag ist karg an liebesüßen Wonnen
Es schmerzt mich seines Lichtes eitles Prangen
Und mich verzehren seiner Sonne Gluthen.

Drum birg dich Aug’ dem Glanze irrd'scher Sonnen
Hüll' dich in Nacht, sie stillet dein Verlangen
Und heilt den Schmerz, wie Lethes kühle Fluten.
Karoline von Günderrode über die Landschaft am Otzberg:

„Oft, wenn ich hier auf einem Berge stehe und ferne Täler und Berge in ungewisser Ferne sehe, dann wird es mir so sehnsüchtig ums Herz, und ich scheine mir arm. – Gestern waren wir auf dem Otzberg, welche Aussicht! Den Odenwald, die Bergstrasse, das Schloß Rothenstein, der Melibokus, in der Ferne glänzt der Rhein wie ein breiter Silberfaden, einige Turmspitzen in ungewissem Nebel verraten Mainz und die Grenzen des Landes der Freiheit.“
Carl Philipp Fohr