• Unbekannter Künstler, Blick über den Main auf Gutleuthof und Gogels Gut (mit dem Mainzer Marktschiff), um 1800, Aquarell auf Papier © historisches museum frankfurt, Foto: Horst Ziegenfusz

  • Matthäus Merian d. Ä., Ausschnitt aus dem Gesamtplan von Frankfurt mit dem Fahrtor links nahe der Nikolaikirche, 1628, Kupferstich

  • Johann Georg Malß, Das Fahrtor vor 1840, Öl auf Pappe © historisches museum frankfurt, Foto: Horst Ziegenfusz

  • Modell eines Marktschiffes, um 1760 Das kleine Segel solcher Transportschiffe konnte nur Talfahrten beschleunigen. Gegen den Strom mussten sie von Pferden am Ufer getreidelt werden. © TECHNOSEUM Landesmuseum für Technik und Arbeit in Mannheim: Fotograf Klaus Luginsland

Schlag zehn Uhr legte das „Mainzer Marktschiff“ am Frankfurter Hafen vor dem Fahrtor ab. In der Regel war es ein Personenschiff mit extra Schutzraum an Bord für Personen von ‚Distinction’ - ein Güterschiff mit Kaufmannsfracht war angehängt. Oder der Schiffer presste Güter, Tier und Mensch einfach auf denselben Kahn. Munteres Gewühl herrschte an Bord. Es gab Verpflegung aus kalter Küche, Kaffee und Wein. So oder ähnlich könnten Clemens Brentano und Achim von Arnim den Auftakt ihrer berühmten Reise erfahren haben: Um den 7. Juni 1802 herum trieb es die beiden jungen Männer in Frankfurt auf das Marktschiff, dann über den Main dem Rhein entgegen. Dort starteten sie nicht nur eine außergewöhnlich innige Freundschaft. Man hält sie auch für die Begründer der Rheinromantik. Aus Briefstellen und Poesie lässt sich beides rekonstruieren. Etwa sechs Stunden dauerte eine solche Fahrt auf einem von zwei Wasser-Diligencen. Nach Fahrplan segelte täglich eines talwärts nach Mainz und das andere entgegen gesetzt in Richtung Frankfurt. Aus Reiseberichten weiß man, dass es eine Lustpartie mit Trinkgelagen war. Wunderliche Bänkelsänger oder eine stehende Schiffskapelle unterhielten Volkes Gedränge. Für Brentano „schlechte Melodieen“. Aber Arnim überwältigt: „Ich möchte wohl gut dichten und singen können und mein Leben auf dem Marktschiff zwischen Frankfurt und Mainz versingen.“

Referenzen:

RR 2: Rüdesheim
Clemens Brentano
Achim von Arnim

Peter Eduard von Ströhling, Bildnis Carl Joachim Friedrich Ludwig Achim von Arnim, 1803/04, Öl auf Leinwand
Ludwig Emil Grimm, Bildnis Clemens Brentano, 1837, Radierung (Ausschnitt)

© Goethe-Haus Frankfurt / Freies Deutsches Hochstift

In „Clemens Brentano’s Frühlingskranz“ (1844), einem freien literarischen Umgang Bettine von Arnims mit dem Briefwechsel zwischen ihr und ihrem Bruder, schilderte sie den Aufzug der Reisenden. Als 17jährige hatte sie die beiden ans Schiff begleitet:

„O Clemente, Deine blaue Halsbinde, Deine wunderschön lederne Beinkleider! Deine rothe Freiheitsmütze! (...) Arnim so schlampig in seinem weiten Überrock, die Nath am Ärmel aufgetrennt, mit dem Ziegenhainer, die Mütze mit halb abgerissnem Futter, das neben heraus sah, Du so fein und elegant, mit rothem Mützchen über Deinen tausend Locken, mit dem dünnsten Röhrchen, einen lockenden Tabacksbeutel aus der Tasche, und wie Arnim unterwegs die Bemerkung machte, die Mädchen am Brunnen sähen Dir mit Wohlgefallen nach, (...) und wie Du mit Deinem zierlichen Sprung ins Mainzer Schiff mit einem so selbstbewußten Genuß hineinsprangst.“
Die Rheinreise

aus: H. Herman, Abbildungen der verschiedenen Gattungen von Fahrzeugen, wie man sie auf dem Rheine sieht. Mainz 1820. (Ausschnitt aus Bildband)

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