• Die Stätte des früheren Gasthofs von Richard Ackermann, "Zum Engel": Haus Nr. 11 in der Rüdesheimer Rheinstraße, links am Eingang zur Drosselgasse © VSG

  • George Clarkson Stanfield, Rheinblick auf die Rüdesheimer Altstadt, Öl auf Leinwand © Private Sammlung

  • Der Adlerturm in Rüdesheim, Teil der früheren Stadtbefestigung © VSG

  • Carl Morgenstern, Rhein mit Adlerturm, 1838, Öl auf Leinwand © akg-images

Umworben war die „lieblige Wallpurgis“, ja bis über beide Ohren habe sich Clemens Brentano in sie verliebt. Doch die schöne Tochter des Wirtes Richard Ackermann – charmant, schlagfertig, voll Mutterwitz – machte auch einem anderen schöne Augen. Sie ließ „himmlische Noten durch schöne irdische Lippen“ ertönen, erinnerte sich Achim von Arnim noch 20 Jahre später, der sie „kaum anzureden wagte“. Brentano habe sie unermüdlich auf der Gitarre begleitet. Man logierte im Gasthof „Zum Engel“, wo Walpurgis des Abends Weinschoppen „in Krügen mit Deckeln von blankem Zinn“ reichte. Mancher Gast, so schrieb es seine Frau Bettina in ihre ausgeschmückte Briefsammlung „Clemens Brentano’s Frühlingskranz“, habe noch einen Kuss dazu erhalten. Vier Tage Rüdesheim! Ein lang am Rhein gestreckter Ort von etwa 2.500 Einwohnern hielt die Reisenden bei ihrer Tour zu Lande und zu Wasser im Juni 1802 mit vielen ‚Merk’würdigkeiten fest. Die Stimmung am Ort spannte sich zwischen Ausgelassenheit und Trübnis. Die Freunde stiegen in einen Turm (Adlerturm der alten Stadtbefestigung?): „(...) da stelltest du dich an das einzige Fenster (...), und sahst den Rhein sehr ernsthaft hinauf, ich aber stand im dunklen Thurm und spielte Guitarre, sehr einsam fühlte ich mich, als wärst du hundert Meilen von mir.“ Hier sei er das einzige Mal in seiner Gesellschaft traurig gewesen. Die weiteren Zeilen des Briefs vom Februar 1803 überhöhen den geliebten Gefährten. Es ist ein prägender Zug von Brentanos stilisierender, literarischer Kommunikation. Worte so herzlich, wie kein Freund jemals um einen Freund geworben hat.

Referenzen:

RR 3: die Wallfahrt
Clemens Brentano
Achim von Arnim

Peter Eduard von Ströhling, Bildnis Carl Joachim Friedrich Ludwig Achim von Arnim, 1803/04, Öl auf Leinwand
Ludwig Emil Grimm, Bildnis Clemens Brentano, 1837, Radierung (Ausschnitt)

© Goethe-Haus Frankfurt / Freies Deutsches Hochstift

Ausschnitt aus Clemens Brentanos "Der Schiffer im Kahne" (1852 veröffentlicht):
Brentano beschwört seine Freundschaft zu Arnim mit dem Gedicht "Der Spinnerin Nachtlied" (1806), Auszug
Die Rheinreise

Schiffer im Kahne bei Oestrich am Rhein, Transportschiff um 1880, Papierabzug von belichteter Glasplatte
© Angela und Udo von Brentano, Privatarchiv