• Unbekannter Künstler, Blick auf Ehrenbreitstein, vor 1800, kolorierter Aquatintastich Die auch Gierseilbrücke genannte schwimmende Plattform wurde mit Tauen und Ketten über neun im Strom verankerte Kähne im 15 Minuten-Takt von Ufer zu Ufer gezogen. Zwischen 1680 und 1819 hielt sie den Fährverkehr aufrecht. Links im Vordergrund der alte Rheinkran, der als Pegelhaus noch erhalten ist. © Private Sammlung

  • Modell einer Fliegenden Brücke, um 1760 © Technoseum Mannheim

  • Fliegende Brücke zu Koblenz, Kupferstich, um 1800 (Ausschnitt) In der Nähe des alten Rheinkrans landete die Fähre an. Bis zu 100 Personen oder acht Wagen hatten auf ihr Platz, bis das Transportaufkommen zu groß geworden war. Sie wurde 1819 durch eine Schiffbrücke ersetzt. © Private Sammlung

  • Fliegende Brücke (bei Mannheim), 1669, Kupferstich Mit den Inschriften: Die Statt Mannheim. / Die Rhein Pfort / Die Vöstung Fridrichsburg, Eigelsheim, Rhein Flus; Mitt Ihro Churfürstl: Durchl: zu Pfaltz & Privilegis in 20 Jahren nicht nach zu Copiren. Brücke erbaut von Wilhelm Taudpheus von Bacharach. © Graphische Sammlung, Universitätsbibliothek Heidelberg

  • Das Pegelhaus am Koblenzer Rheinufer ist heute ein Ausflugslokal © Lothar Spurzem

Genau an seinem 24. Geburtstag und voll Inbrunst schrieb Clemens Brentano an Achim von Arnim: „Eine Minute meines Lebens verfluche ich. Es ist die an der fliegenden Brücke zu Koblenz, als ich dich verließ. (...) O wäre ich doch nicht von dir gegangen, in meinem Herzen ist so viel Liebe, sei mir gut.“ Die Fähre zwischen Koblenz und Ehrenbreitstein setzte den Schlusspunkt ihrer Rheinreise vom Juni 1802. Der Anblick des Gefährten, der mit der schwimmenden Plattform davonfuhr, „war einer der schlechtesten Streiche meines Lebens“, so Brentano. Nie wieder sehe er eine fliegende Brücke „ohne Schrekken“. Auf der Suche nach Impulsen und ihrem Innern waren sich die Dichter nah’ gekommen – und ewig nahe wollten sie sich aus der Ferne bleiben. In zwei wonnevollen Wochen hatte das ungleiche Paar eine romantische Freundschaft in gegenseitiger Vollendung gelebt. Die Korrespondenz der folgenden Zeit macht einen Teil des ‚Gesamtkunstwerks’ aus, das der Geistesbund Brentano und Arnim damals verfasste. Begleitet von berührenden Versen wurden Erinnerungen an die Fahrt dort immer wieder neu entworfen. In ihr stellt die Brücken-Klage „das große Trennungssymbol“ dar, sagt der Romantik-Experte Holger Schwinn. Noch 1808 deutete Brentano die Erlebnisse und den einen Moment als schicksalhaft aus: „(...) wie du klangst und sangst am Rhein, Abschied nahmst auf der fliegenden Brücke, da wendete sich mein Geschick und sah in böse Spiegel, der schönste in der Brust war zerschlagen, (...) o lieber Bruder, nachher war nichts Gutes mehr“.

Referenzen:

Clemens Brentano
Achim von Arnim

Peter Eduard von Ströhling, Bildnis Carl Joachim Friedrich Ludwig Achim von Arnim, 1803/04, Öl auf Leinwand
Ludwig Emil Grimm, Bildnis Clemens Brentano, 1837, Radierung (Ausschnitt)

© Goethe-Haus Frankfurt / Freies Deutsches Hochstift

Clemens Brentano: „Es sang vor langen Jahren“ (Brief vom 8. September 1802):

Es sang vor langen Jahren,
Wohl auch die Nachtigall,
Das war wohl süßer Schall
Da wir zusammen waren

Ich sing’ und kann nicht weinen
Und spinne so allein,
Den Faden klar und rein
So lang der Mond wird scheinen

Da wir zusammen waren
Sang süß die Nachtigall
Nun mahnet mich ihr Schall
Dass Du von mir gefahren

So oft der Mond mag scheinen,
Gedenck ich dein allein,
Mein Herz ist klar und rein,
Gott wolle uns vereinen

Seit du von mir gefahren
Sing stets die Nachtigall
Ich denk bei ihrem Schall
Wie wir zusammen waren

Gott wolle uns vereinen,
Hier spinn ich so allein,
Der Mond scheint klar und rein,
Ich sing’ und mögte weinen.
Die Rheinreise