Die enthusiastischen Gefühle wollten sich nicht mehr einstellen. Ein Romantiker war auf der Suche nach Romantik! Bei einer Sommerreise 1803 in den Süden Deutschlands begehrte der preußische Schriftsteller Ludwig Tieck nach der alten naiven Schwärmerei. Tieck wollte unterwegs Teile seiner Tour mit dem jung gestorbenen Freund Wilhelm Heinrich Wackenroder nachvollziehen. Als Studenten waren sie zehn Jahre zuvor über die Straßen Frankens gewandert. Die Erfahrung gab ihm den bekenntnishaften Dreiklang aus Kunst, Geschichte und Landschaft ein: den fragmentarischen, zum Geist der ganzen Epoche weisenden Roman „Franz Sternbalds Wanderungen“ (1798). Zusammen mit dem Grafen Wilhelm von Burgsdorff (1775-1849), seinem Gönner, kam er auch durchs schöne Heppenheim. Denn Tieck wollte auch die „altberühmte Bergstraße nach Heidelberg“ schauen. 30 Jahre vergingen dann, bis er diese Erkundungen mit der Novelle „Eine Sommerreise“ (1833) hoch leben ließ. Ein Tagebuch gab das Material vor, in dem von mancher Abgeklärtheit die Rede ist. Doch viele Eindrücke, besonders der Natur, standen ihm noch frisch vor dem geistigen Auge: Sie erfassten Tiecks Erzählung von den Reiseerlebnissen Walther von Reinecks und seiner Gefährten. Aus der erinnerten Romantik leuchteten Heppenheim und Umgebung sowie der Blick in die Rheinebene von der Ruine Starkenburg hervor. „Die Aussicht in den Odenwald auf der andern Seite war noch schöner, die wundervolle Einsamkeit, die schönen Formen der Berge, welche alle dicht mit Wäldern bewachsen sind, erhoben das Gemüth der Freunde zu edeln Gefühlen.“

Referenzen:

Ludwig Tieck
Aus der Novelle "Der blonde Eckbert" (1796) das Lied eines Vogels:

Waldeinsamkeit,
Die mich erfreut,
So morgen wie heut
In ewger Zeit,
O wie mich freut
Waldeinsamkeit.

Waldeinsamkeit
Wie liegst du weit!
O dich gereut
Einst mit der Zeit. –
Ach einzge Freud
Waldeinsamkeit!

Waldeinsamkeit
Mich wieder freut,
Mir geschieht kein Leid,
Hier wohnt kein Neid,
Von neuem mich freut
Waldeinsamkeit.
Dürers Locke
Carl Philipp Fohr