In der Sprache der damaligen Zeit war der Englische Garten Eulbach im Odenwald höchst „merkwürdig“. Nicht seltsam, sondern ‚bemerkenswert’: Eine außergewöhnliche Kombination von Passionen, die Graf Franz I. zu Erbach-Erbach (1754-1823) pflegte. Aus dem Nichts, auf kahler Höhe ohne Baum und Strauch, ließ der adelige Tausendsassa zu Beginn des 19. Jahrhunderts bei seinem Jagdschloss und Sommersitz in 8 km Entfernung von Michelstadt einen Park nach der Mode des Landschaftsgartens anlegen. Das Areal wurde verziert mit Staffagebauten „im Geschmack der Zeit“, darin eine romantische Burgruine und ein Inselchen mit neugotischer Kapelle. Wildgehege umgeben es an drei Seiten, denn Franz I. liebte es, ein Weidmann zu sein, das Wild aber auch zu beobachten. So weit wäre sein Bemühen nur ein schönes, kunstsinnig gebildetes Stück Natur für Mensch und Tier geblieben, dem (unbewiesen) die Behauptung nachgeht, der große Gartenarchitekt Friedrich Ludwig von Sckell habe den ersten Plan dazu entworfen. Aber der letzte Regent Erbachs war vor allem Altertumsforscher aus Leidenschaft. Diese von Jugend an gepflegte Kurzweil integrierte er in das Naturreich: Deutschlands ältester Archäologie-Park entstand. Als erster Deutscher, der wissenschaftlich am Limes, den militärischen Grenzwällen der Römer arbeitete, schaffte er antike bauliche Überreste der Gegend heran und rekonstruierte die „Überbleibsel des grauen Alterthums“ lehrhaft am Ort. Die Monumente sollten die Größe des Römerreiches abbilden. Ihr ruinöser Zustand aber auch die Überwindung von Roms Macht am Limes durch die Germanen verkünden. Sinnfällig überwuchert die prächtige Vegetation bis heute dies „merkwürdige“ Gestein.

Referenzen:

Graf Franz I. zu Erbach-Erbach
Friedrich Ludwig von Sckell
Graf Franz I. in einem seiner Katalogmanuskripte zum Park:

„Frei und ungehindert steht der Eulbacher Garten jedem zum Genusse offen. Indem dieses ihn vor jedem Muthwillen schützt, vermehrt es das Interesse, so das Publikum daran nimmt, und meine Gefühle über dessen Besitz, wenn ich Sonn- und Feiertäge meine Unterthanen vergnügt darin wandeln sehe und sich jedesmal des Gedankens freuend, an der Herbeischaffung der Steine zur Wiederaufbauung der Römischen Monumente in demselben beigetragen zu haben, werden dann immer wieder neu.“
Der Englische Landschaftsgarten
Ein naturnaher Landschaftspark ist eine englische Gartenmode. Das der Romantik-Epoche lange voraus greifende und sie dann begleitende Modell entstand Anfang des 18. Jahrhunderts als Reaktion auf barocke französische Gärten. Man lehnte es damals ab, die Natur in steife Symmetrie zu pressen und künstlich zu verschneiden. In Deutschland fand der Exportschlager ab den 1770er Jahren Anklang. Ein veränderter Naturbezug der Menschen drückte sich darin aus. Hügelige Gelände, Schlängelwege, inszenierte Blickbeziehungen und mit Empfindung aufgeladene Naturszenen sowie Parkgebäude sollten die Gemüter erregen. Auf Stimmungen kam es an. "Natürlich" war ein Landschaftsgarten nicht, sondern idealisierte, zum Kunstwerk erhobene Natur. Die Schönheit der Natur nachbilden und gar in einen Garten pressen zu wollen, gab allerdings schon Ende des 18. Jahrhunderts Anlass zu harscher Kritik. Im ganzen Rhein-Main-Gebiet entstand eine Vielzahl von Interpretationen - von aufklärerisch-empfindsamen Parks bis zu spätbürgerlichen, privaten Gartenparadiesen.