Bettine Brentano lebte den Traum, als den sie Schlangenbad und seine Umgebung ansah. „Vorgestern war ein herrlicher Abend!“, schrieb sie an Johann Wolfgang von Goethe, „ganz mit dem frischen Schmelz der lebhaftesten Farben wie sie nur in Romanen gemahlt sind“. Bettine und viele vermögende, auch adelige Frankfurter kamen nach 1800 zur Erquickung der Sinne und des Körpers in den abgeschiedenen Kurort im Untertaunus. Mitte des 17. Jahrhunderts waren dort Heilquellen entdeckt und ein Badebetrieb eingerichtet worden. Das stille Örtchen entwickelte sich zum Luxusbad, in dem man selbst gekrönte Häupter empfing. Mehrfach reiste das Brentano-Fräulein „mit dem ganzen Familientroß“ und Freunden ins Schlangenbad, das sich in ein enges Tal schmiegte und niemandes Ruhe störte. Die Auszeit zwischen Kuranwendungen, Lustwandeln und geselligen Eselsritten in herrliche Natur war zum Jauchzen schön. Bettines Berichte darüber finden sich in ihren Jahrzehnte später verfassten, originellen Briefbüchern, in denen sie Wahrheit und Dichtung unauflösbar verquickte. Wie Schlangenbad so zum „Inbegriff eines romantischen Kurorts“ wurde, erzählt der Journalist und FAZ-Korrespondent Oliver Bock. Er ist einer von 23 Autoren, die in der Rhein-Main-Region die Zeugnisse schwärmerischer Weltbetrachtung aufspürten. Für „Romantik an Rhein und Main. Eine Topographie“ aus dem Verlag Philipp von Zabern vermaßen sie die Koordinaten der Epoche Ort für Ort.

Referenzen:

Bettine Brentano / von Arnim
Anton Radl

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