Im frühen 19. Jahrhundert machte eine ganze Generation von Künstlern den eigenen Augenschein zum Maß der Dinge. Die Romantik brach mit dem Vernunftgebot, traute dem eigenen Gefühl und nahm die Kunst persönlich. Mit der Abkehr von den Akademien und der geringer werdenden Bedeutung der Höfe und der Kirche als Auftraggeber änderte sich der Stellenwert der Kunst. Die Romantiker durchbrachen die Grenze zwischen Kunst, Leben und Werk. Ihr Freundschafts- und Liebeskonzept, ihr Naturverständnis und ihre Vorstellung vom Künstlerdasein prägen unser Denken bis heute. In einer umfassenden Sonderausstellung hat das Museum Giersch der Goethe-Universität im Jahr 2015 die Vielgestalt romantischer Kunst präsentiert, wie sie im 19. Jahrhundert zwischen Frankfurt und Darmstadt, Mainz und Wiesbaden, vom Odenwald bis in die Schwalm zu finden war. Über 150 Werke – Landschaften, Porträts und Genrebilder, Zeichnungen und Ölstudien, religiöse und literarische Motive – vermittelten einen umfassenden Eindruck von der Wirkung romantischer Ideen auf die Region. Einiges von dem entworfenen komplexen Panorama einer lebendigen Kunstlandschaft in spannender Auf- und Umbruchszeit wird weiterhin in der App eingestellt bleiben. In der politisch uneinheitlichen Rhein-Main-Region erprobten Mitglieder alteingesessener Malerwerkstätten ebenso wie unabhängige, junge Künstler neue Ausdrucksformen. Auswärtige, nur zeitweilig im Rhein-Main-Gebiet ansässige Künstler vermittelten weitere romantische Impulse. Die Entdeckung der Heimat und die Sehnsucht nach der Ferne, Privatheit, Religion, Freundschaft, Literatur und Historie ebenso wie die Aufwertung der Zeichnung sind die Themen, die die Ausstellung intensiver in den Blick nahm. Werke einflussreicher Künstlerpersönlichkeiten wie Carl Philipp Fohr, Peter Cornelius, Philipp Veit, Moritz von Schwind oder Johann Heinrich Schilbach waren ebenso zu sehen, wie eine Vielzahl von Arbeiten weniger bekannter Künstler, darunter Johann Adam Ackermann, Carl Sandhaas oder Gustav Jacob Canton.

Referenzen:

Wandern und Zeichnen (Fohr)
Wandern und Zeichnen (Reutern)
Wandern und Zeichnen (Sandhaas/Fries)
Innenwelten (Steinle)
Innenwelten (Grimm)
Freundschaft (Pforr, Overbeck)
Freundschaft (Fohr)
Freundschaft (Overbeck)
Geschichte/n (Pforr)
Geschichte/n (Rethel)
Geschichte/n (Steinle)
Geschichte/n (Schwind)
Geschichte/n (Fohr)
Künstlerbilder (Bode)
Himmel und Erde (Seeger)
Landschaft und Heimat (Ackermann)
Reisen und Ferne (Voigt)
Architektur und Stimmung (Orth d. Ä.)
Reisen und Ferne (Pose)
Reisen und Ferne (Hessemer)