Die Studentenporträts entstanden im Sommer 1816, als Carl Philipp Fohr von München nach Heidelberg zurückkehrte. Nach der Münchener Akademie und vor der Romreise versprach der Sommer besondere Freiheit. Fohr schloss sich einer Studentengruppe an, deren zentrale Figur der charismatische Adolf Ludwig Follen war. Die „Teutonia“ agierte jenseits von Schwärmerei konkret politisch, viele Mitglieder hatten in den Freiheitskriegen gekämpft, die drei Dargestellten selbst erduldeten später Gefängnis und Verhöre. Fasziniert von der Radikalität der jungen Männer, ihrem ausgeprägten Freundschaftskult, ihrer Mittelalterbegeisterung und ihren demokratischen Idealen, schuf Fohr eine Vielzahl von Porträts und Gruppenbildern. Die Bildnisse Hammers, Pagenstechers und Löhnings gehören zu den eindringlichsten und am stärksten ausgearbeiteten Porträts dieser Zeit. Alle drei erscheinen als Halbfigur, sitzend und in altdeutscher Tracht. Auffallend ist der Bruch zwischen den sorgsam ausgeführten, mit feinstem Strich gegebenen Gesichtern und Haaren und den kräftig umrissenen, mit fester Feder summarisch angelegten Körpern. Mit diesem tritt etwas bewusst Künstliches in die Porträts ein, das die Dargestellten über eine persönliche Bekanntschaft hinaus idealisiert, sie monumentalisiert und ihnen gleichzeitig ihre Individualität belässt. In Fohrs kurzem Leben spielte Emotionalität eine große Rolle. Es gab Zerwürfnisse, innige Freundschaften, Duelle und große Begeisterungsfähigkeit sowohl für bestimmte Künstler als auch für bestimmte Lebensformen – vor allem die gleichgesinnter Gruppen. Fohrs große Reizbarkeit im Sinne eines hoch emotionalen Empfindungsvermögens äußerte sich in seiner Kunst in der sensiblen Wiedergabe feiner Details. Zugleich ist seinen Arbeiten eine sichtbare Affinität für das Artifizielle zu eigen. In dieser charakteristischen Kombination, die auch die Studentenporträts auszeichnet, wird deutlich, dass für Fohr die Zeichnung nie reine Abbildung sein konnte, sondern immer auch ein Konzept vortrug.

Referenzen:

Carl Philipp Fohr
Sandhaas in Darmstadt
Romantik Rhein Main