Georg Wilhelm Bode war Maler, Lithograph und Turnlehrer, eine Kombination, die im Vormärz ein politisches Statement bedeutete. Tatsächlich vertrat Bode klare Ideale, sowohl in künstlerischer als auch in politischer Hinsicht. Einen Eindruck davon vermittelt sein bemerkenswertes Selbstporträt aus dem Jahr 1827. Die starke Präsenz des Bildes entsteht nicht allein durch seine auffallende Größe. Die Nähe des Dargestellten und seine mehr als halbfigurige Ausführung kommen ebenso hinzu wie die aufrechte Haltung, die Frontalität des Kopfes und der direkte Blick auf den Betrachter. Die weite Aussicht über die Flusslandschaft im Fensterausschnitt versetzt den Maler zudem in eine gleichsam erhabene Position. Zwar hält Bode in seiner rechten Hand einen Stift und in seiner linken ein Skizzenbuch und stellt so die Zeichen seiner Künstlerschaft aus. Doch es liegt zugleich ein repräsentativer Gestus in der Haltung des angewinkelten Armes mit der lässig und souverän in die Hüfte gestützten Hand. Es ist ein selbstbewusstes Bild, das über persönliche Eitelkeit hinausgeht. Entstanden im Zusammenhang mit seiner Hochzeit und für seine Frau, präsentierte sich Bode auf der Höhe seiner Laufbahn und im Bewusstsein seines Könnens. Doch zeigt er sich gleichzeitig als Vertreter einer Künstlergeneration, die sich zu dieser Zeit mit der Entwicklung eines neuen Selbstverständnisses auseinandersetzte: Sein Selbstporträt bezieht sich deutlich auf Albrecht Dürer. Speziell auf dessen Selbstbildnis von 1500 in der Alten Pinakothek, München. Wie der Meister stellte er sich frontal dem Betrachter gegenüber, mit direktem Blick und gescheiteltem, lang gelocktem Haar. Mit dem schwarzen Rock trägt er die altdeutsche Tracht in politischer Aussage. Bodes freiheitlich-nationale Haltung ist offensichtlich. War Dürers Porträt mit ihrer Christusikonographie revolutionär, so zeigt Bodes doppelter Rückgriff die eigene selbstbewusste Haltung ebenso wie die einer ganzen Generation.

Referenzen:

Georg Wilhelm Bode
Dürers Locke
Politisches Engagement fand sich bei den Romantikern im Rhein-Main-Gebiet häufig:
Befreundet mit Friedrich Ludwig Jahn, dem Gründer der politisch agierenden Turnerbewegung, engagierte sich Georg Wilhelm Bode für die patriotisch gesinnte Bewegung. Carl Philipp Fohr verkehrte im Kreis revolutionärer Heidelberger Studenten. Mit diesen verbunden waren die „Gießener-“ bzw. „Darmstädter Schwarzen“, zu denen Künstler wie Friedrich Maximilian Hessemer und Carl Sandhaas Kontakte pflegten. Und auch in Rom trugen die Künstler den „deutschen Rock“ als Tracht mit politischem Verweis. Diese Haltung hatte Einfluss auf ein neues Künstlerselbstbild. 1828 kamen zum 300. Todestag Albrecht Dürers in Nürnberg hunderte Künstler zu einem Fest zusammen, von dem der Maler und Nazerener Peter von Cornelius im Vorfeld sagte, „das soll unser Wartburgfest werden“. In der Rückbesinnung auf Dürer lag politische Sprengkraft. Ein nationaler Kunstverein sollte in diesen Tagen gegründet werden. Mit der Säkularisierung und der schrumpfenden Bedeutung der Höfe hatten die Künstler starke Bezugspunkte verloren. Es galt, sich neu zu definieren. Nicht zufällig entstanden zu dieser Zeit zahlreiche Künstlerselbstporträts. Die Dürerfeier trug zur Etablierung des Bildes vom freien, selbstbewussten Künstler bei.
Sandhaas in Darmstadt
Romantik Rhein Main