„ ... hier, so pries der rheinverliebte Schriftsteller Karl Simrock, „ist die Aussicht nach allen Seiten unbegrenzt und schaurig erhaben“. Genau dieser einmalige Panoramablick von Burg Stahleck bei Bacharach, so will es eine rheinische Sage, wendete das Schicksal eines kriegerischen Ritters. Zum letzten Mal stand „Pfalzgraf Herrmann von Staleck“ auf den Zinnen seiner Burg, starrte „tieftrauernd“ in die schöne Flur des abendlichen Rheintals. Dann entschloss er sich zum Rückzug aus der Welt der Edlen in frömmige Einsiedelei. Glaubt man den Worten des Sagenpublizisten Karl Geib, war das stolze Gemüt des Pfalzgrafen bei Rhein „zerfleischt“. Denn Kaiser Friedrich I. (Barbarossa) hatte zuvor Hermanns Fehden gegen geistliche Fürsten 1155 mit der schändlichen Strafe des Hundetragens beendet. Geib schmückte seinen Lesern 1836 in “Die Sagen und Geschichten des Rheinlandes“ aus, wie Burg und Strom Zeuge von Hermanns Besinnung wurden. Doch dichtete der Autor den Entschluss auf der mächtigen Veste - früher Hauptsitz der Grafschaft - historischen Fakten hinzu. Mit der Romantik erfuhr volkstümliches Erzählgut am Rhein keine bloße Wiederbelebung: Im Sinne vaterländischer Identitätsstiftung wurde es frisch erzeugt. Kaum eine deutsche Landschaft brachte in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts so viele Geschichtssagen hervor.

Referenzen:

Karl Joseph Simrock
Victor Hugo
Historien und Sagen am Rhein
Besonders am Rhein, doch nicht nur dort, verbanden die Romantiker historische Legenden mit geschichtsträchtigen Orten zu neuen 'Sagen'. In Zeiten wachsender nationalpatriotischer Gesinnung, als der Rhein zum deutschen Kernland stilisiert wurde, reihten sich Anekdoten an Fabeln, Märchen und Mythen. Hort der phantasievoll adaptierten Geschichten waren häufig mittelalterliche Burgruinen. Um den Preis mancher Verflachung und sogar Verfälschung riefen sie ritterliche Tugenden und christliche Moral vergangener 'Heldenzeiten' in Erinnerung: Das Rückwärtsgewandte sollte Identität stiften. So verlieh die Epoche den Rheingegenden ein einigendes kulturelles Gedächtnis.
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