In einem Bildchen des Illustratoren Stefan Mart setzt ein Floh seinem Freund Peregrinus Tyß ein ‚Gedankenmikroskop’ ins Auge. Ein wirres Märchen-Schicksal verbindet den langbeinigen Parasiten mit diesem Menschen, der mittels Zauberglas den Leuten „durch das Gehirn schauen“, aber dabei vor allem sich selbst kennenlernen kann. Die Fabel erdachte der realistische Fantast E.T.A. Hoffmann, der einst in seiner Berliner Zeit unterhaltende Floh-Dompteure und ihre zierlich exerzierenden Insekten auf den Straßen erlebte. Vor der Lektüre muss man wissen: Die handelnden Personen um den Frankfurter Tyß besitzen zwei oder drei Existenzen und agieren in aufgehobener Zeitdauer. Simultan erscheinen sie in Vergangenheit und Gegenwart und dort ist das Einfallstor für alle Einfälle und Unmöglichkeiten. Die Liebestollheit für ein bildhübsches Frauenzimmer – die Prinzessin Gamaheh, alias Aline, alias Dörtje Elverdink – treibt das komplexe Geschehen mannigfaltiger Beziehungen an, in das Tyß verwickelt wird. Die Schöne ist hinter Meister Floh her, der für die Suche nach einem magischen Karfunkel eine wichtige Rolle spielt. Das hochgebildete, kultivierte Insekt, das wie alle Tiere in Hoffmanns Werk einen Ehrenplatz einnimmt, erkennt in dem anfangs scheuen Tyß den Zielpunkt der ganzen Geschichte. Er hilft ihm aus verschlossener Persönlichkeit heraus, hinein in eine überirdische Traumwelt. Tyß selbst ist der Karfunkel und - man wird den Eindruck nicht los - das Alter ego von Hoffmann.

Referenzen:

E.T.A. Hoffmann
Märchen-Zensur
Skandal bei Wilmans