Das war im Berufsleben des anständigen Mannes noch nie vorgekommen: Ein Autor brachte ihn in politische Schwierigkeiten. Der „erste Verleger“ der jungen Romantiker-Generation, Friedrich Wilmans, musste vor dem Frankfurter Polizeiamt Rede und Antwort stehen. Redlich und solide, so wird Wilmans stets geschildert, und nun drohte seinem Haus im Januar 1822 ein Verbot der geplanten Märchenerzählung „Meister Floh“ von E.T.A. Hoffmann. „... die ganze Verhandlung war doch peinlich für mich.“ Ein preußischer Gesandter des Berliner Polizeidirektors von Kamptz, der sich durch Passagen verunglimpft fühlte, hatte zuvor den Senat der Stadt um Amtshilfe ersucht. Man beschlagnahmte das Manuskript mitsamt der noch nassen ersten Druckbögen. Doch die ganze Verlegenheit war gerechtfertigt: Hoffmann hatte verbotenerweise aus Justiz-Akten entlehnt und in der Figur des imbezilen Geheimen Hofrates Knarrpanti den Polizeichef verunglimpft. Vergeblich wehrte sich der todkranke Autor noch brieflich. Was für ein „abscheulicher Tort“ sei ihm widerfahren, „niederträchtige Spionage“ und „Klatscherei“. Eine Rechtfertigungsschrift erschien. Die ins Märchen gebundene Satire (auf die Zeiten von Demagogen-Verfolgungen) sollte „den lachlustigen Leser“ ergötzen. Nur mit Streichungen durfte „Meister Floh“ im April 1822 bei Wilmans erscheinen. Erst 1906 kamen diese Partien im Geheimen Staatsarchiv in Berlin wieder ans Licht. Zwei Jahre später erschien Hoffmanns Geschichte erstmals vollständig.

Referenzen:

Märchen-Zensur
Hoffmanns "Meister Floh"
Das Rheinpanorama