• Die Schönburg in Oberwesel - heute mit Hotel, einem Kolpinghaus und einem Torturm-Museum - wurde in der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts erbaut. © Erhard Hess; www.ehess.de

Das Erfinden und Aufschwemmen von Sagen war eine Vorliebe der Romantik. Die Begeisterung der Zeitgenossen für Fantastik brauchte Nahrung. Darum verfuhren die Publizisten von Rhein-Erzählungen im 19. Jahrhundert mehr oder minder frei mit angeblich vom Volk überlieferten Stoffen. Zum Beispiel die Geschichte der sieben Jungfrauen von Oberwesel. Hat der seinerzeit hoch geachtete Historiker Nicolaus Vogt sie etwa „componirt“, wie man vermutete? Als erster gab er in der „Bildergallerie des Rheins“ (1811) sieben Felsenstücke im Fluss als Versteinerung hartherziger Bewohnerinnen der Schönburg aus. Die Legende wurde ein Dauerbrenner mit immer reicheren Varianten durch die Sagenbücher hindurch. Vogt selbst dichtete noch eine Ballade: Liederlich nackend baden die Schönen im Rhein. Ein edelmütiger Ritter muss sich abwenden und den Liebesschmerz einem Marienbild klagen. Kaltsinninge, spröde, gefallsüchtige Mädchen, Schwestern, Gräfinnen – sie trieben Spott mit ihren Freiern. Später setzen sich die Weiber bei Aloys Schreiber, Alfred Reumont oder Karl Geib mit einem Schiff ab, nachdem sie die Bewerber mit angeblichem Heiratswillen oder Losverfahren gefoppt haben. Am Ende die Strafe: Mal zürnt Gott oder das Marienbild, mal besiegelt der Rhein oder seine Nymphe Lureley ihr hartes Schicksal im Wasser. Der Kahn kentert, für immer Felsen: „Seid ganz, was eure Herzen sind“, reimte Adelheid von Stolterfoth auf die simple Moral. Achim von Arnim gab ihr in seiner „Päpstin Johanna“ religiösen Tiefgang. Die Steine waren sündige Nonnen und als Jungfernleyen ertränken sie einen Pfalzgrafen.

Referenzen:

Rheinische Geschichten und Sagen
Nicolaus Vogt
Die Päpstin Johanna
Achim von Arnim
Adelheid von Stolterfoth
William Tombleson
Johann Heinrich Schilbach
Ausschnitt aus Nicolaus Vogts Ballade "Die sieben Jungfrauen bei Wesel" (1811)

„Und fleht der frechen Schaar zum Truz
Der heil’gen Jungfrau mächt’gen Schuz,
Daß sie gegen die Gefahren
Ihn ferne mögt’ bewahren.
Indeß die Mädchen mit Gefahr
Geklammert an den Nachen
Sie tiefer wagten und sogar
Den frommen Mann verlachen,
Bewegt sich das Marienbild
Und neigte sich gar gut und mild
Zum Ritter an dem Orte,
Und sprach die Schreckensworte:
‚Nicht länger soll der freche Hohn
Der eitlen Weiber glüken.
Sie sollen keinen Erdensohn
In Zukunft mehr berüken,
Sie mögen liegen hart wie Stein,
Bis sie zu tragen aus dem Rhein
Ein Fürst sich wird getrauen,
um eine Kirch zu bauen.'"
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