Schauen Sie sich einmal die Bilderleiste an: Darstellungen der Marksburg und des Ortes Braubach aus zwei Jahrhunderten, vorromantische und solche aus der Epoche selbst. Als hätten sich die Künstler auf bestimmte Blickpunkte geeinigt. Als gäbe es einen bildlichen Kanon für die einzige, unzerstört gebliebene Höhenburg am Mittelrhein. Wie abgespeichert war eine künstlerische Tradition, die unter anderen der Niederländer Jan van Call (1655-1703) mit seinen frühen Ansichten entlang des Stromes begonnen hatte. Typisch ist, dass die Veste in den Bildern als „Kaiserkrone auf Felsesspitze“ ruht, wie es schon der rheinreisende Theologe Joseph Gregor Lang empfand. Meistens nahm man die Burg aus der Ferne in den Blick. Sie wirkt wie ein unerreichbares Adlernest, unter dem der Schieferkegel steil aufragt. Der Kölner Künstler Georg Osterwald (1803-1884) – das letzte Bild der Leiste – führte den Betrachter dagegen dicht an das Objekt heran. Wir blicken aus tiefer, schräger Untersicht hinauf. Der südliche Kapellenturm verdeckt den hohen Bergfried der Kernburg. Spaziergänger rechts verstärken den Effekt. Die Marksburg sitzt in einer wilden Landschaft und ihr Gemäuer scheint aus dem Felsen zu wachsen. Fast wurzelt sie in der Erde, sie ist stolz, mächtig und geschichtsträchtig. Die Einheit von Denkmal und Natur, welche in Osterwalds Zeichnung steckt, ist originär romantisch. Diese Auffassung von heldischer Architektur in symbolischer Landschaft war erst in den Jahren nach 1810 in das Bild vom Rhein gekommen. Ihr Urheber war Christian Georg Schütz, der Vetter. Die Düsseldorfer Malerschule griff diese Anfänge auf und Caspar Scheuren setzte sie fort.

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Langs "Reise auf dem Rhein"
Christian Georg Schütz, 'der Vetter'
Carl Friedrich Lessing
Caspar Scheuren
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